Fototour im Gefängnis in Berlin-Köpenick

Gefängnis KöpenickMein Interesse, mich an für viele Menschen schon in Vergessenheit geratenen Plätzen aufzuhalten und dort zu fotografieren, ist ungebrochen. An die Fototour im letzten Jahr zum Haus der Offiziere in Wünsdorf denke ich daher immer wieder gern zurück und vertiefe mich auch von Zeit zu Zeit in die seinerzeit entstandenen Fotos. 
Ab und an schaue ich auf der Webseite des Veranstalters → go2know, mit dem ich im letzten Jahr auf diese Fototour ging, und hoffe dabei immer, wieder auf ein Angebot für eine neue, spannende Besichtigungstour zu stoßen (toll als Ziel wäre zum Beispiel das Hubertusbad in Berlin-Lichtenberg, in dem ich als Kind sehr oft schwimmen und über dessen heutigen Zustand auf Spiegel Online ein für mich → aufregender Artikel zu lesen war; hier eine weitere → spannende Seite über das ehemalige Lichtenberger Stadtbad). So las ich vor einiger Zeit von einer Fototour zu einem Gefängnis in Berlin-Köpenick und wurde neugierig. Selbst in Köpenick geboren, hatte ich noch nie von einem Gefängnis dort gehört und ich buchte spontan die Teilnahme.
Gar nicht so weit entfernt vom S-Bahnhof Köpenick steht man ein paar Seitenstraßen von der Bahnhofstraße entfernt (Puchanstraße) unvermittelt vor einem einem 5 Stockwerke hohen, preußischen Backstein-Gefängnisbau. Wie ich vom Guide der Tour erfuhr, wurde das Gefängnis 1901 nach dem Bau seiner Bestimmung  übergeben.
Mit Beginn des dritten Reiches wurde das Gefängnis von der SA übernommen. Insbesondere während der → Köpenicker Blutwoche im Jahre 1933 wurden fürchterliche Verbrechen durch die SA in diesen Mauern begangen: Gegner des Nationalsozialismus, Juden, Kommunisten aber auch Parteilose wurden eingesperrt, misshandelt, grausam gefoltert und getötet.
In der DDR war das Gebäude zunächst ein Gefängnis für Männer und Jugendliche und diente später als Untersuchungshaftanstalt. Der Guide der Tour erzählte zudem, dass zuletzt wahrscheinlich nur noch die beiden oberen Etagen des Gebäudes genutzt wurden, um Häftlinge, die bei versuchter Republikflucht festgenommen wurden, einzusperren. 1964 übernahm das Fernsehen der DDR den Zellenbau und brachte hier einen Kostümfundus mit Schneiderei unter.
Seit den Achtzigern steht das Gebäude weitgehend leer. Der etwas flachere linke Seitenflügel beherbergt heute die → Gedenkstätte Köpenicker Blutwoche Juni 1933. Die Zellen im Inneren dieses Gebäudeteils sind wiederhergestellt und renoviert. Wenn man im größeren, nicht renovierten Gebäudeteil an der Fototour teilnimmt, passiert man auch den Übergang der beiden Gebäudeteile, der mit einer Scheibe und Gittern verschlossen ist, jedoch einen Blick in die Gedenkstätte gewährt. Mir persönlich gefällt der im ursprünglichen Zustand belassene Teil des Gefängnisses um Längen besser. Gewährt er doch einen beeindruckenden, wenn auch sehr bedrückenden Blick zurück in die Geschichte des Gebäudes. Wenn man sich die Mühe macht, danach zu suchen, findet man in den Zellenwänden eingeritzt verzweifelte, wütende aber auch spöttische Botschaften über die Herrschenden, zurückgelassen von ehemaligen Gefängnisinsassen aus der Zeit der DDR.