Trash that never ends! Hai Alarm am Müggelsee

Trash that never ends! Wundervoll: nicht endender Schwachsinn in bester Helge-Schneider-Manier im heimischen Kiez von Friedrichshagen besetzt mit vielen Größen der deutschen Filmlandschaft und einigen unfassbar schlechten Amateuren. Unvergessen, wie Michael Gwisdek seine Hand in den Müggelsee hält, einen spritzenden Stumpf aus dem Wasser zieht und mit kindlicher Naivität kommentiert: „Wat’n ditte?“.

Hai Alarm im Müggelsee: Michael Gwisdek und Detlev Buck

Hai Alarm im Müggelsee: Michael Gwisdek und Detlev Buck
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Hai Alarm am Müggelsee„, Deutschland, 2013, R: Leander Haußmann, Sven Regener, D: Henry HübchenMichael GwisdekTom SchillingBenno FürmannDetlev BuckKatharina ThalbachLeander HaußmannSteffi KühnertSven Regener (Komödie)

Trailer Hai Alarm am Müggelsee

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Rezension: „Die Königin und der Leibarzt“

Die Königin und der Leibarzt

Die Königin und der Leibarzt

Zugegeben: Der Grund, diesen Film im Kino anzusehen, war ganz sicher nicht das (erwartete) Sujet. Entscheidend für mich war die Tatsache, dass Mads Mikkelsen eine der Hauptrollen spielte. Fasziniert von seiner Darstellung des Bösewichts Le Chiffre in „James Bond – Casino Royale“ begann mich dieser dänische  Schauspieler zu interessieren und schon der nächste Film mit ihm, den ich sah, platzierte sich sofort (und steht dort noch immer) unter meinen All-time-Top-3-Lieblingsfilmen: „Nach der Hochzeit“ von Susanne Bier, der 2007 sowohl die Ehrung für den besten Europäischen Film als auch den Oscar für den besten fremdsprachigen Film gewinnen konnte. Auch alle weiteren Filme mit Mads Mikkelsen, die ich mir seither besorgte und in die Sammlung aufnahm, bestätigten meinen Eindruck, dass dieser Däne ein wirklicher Ausnahmeschauspieler ist: „Adams Äpfel“, „Open Hearts“, „Flickering Lights“, „Dänische Delikatessen“ – alles sehr ungewöhnliche, zum Teil absolut skurrile Filme – „Die Tür“, „Shake it all about“, „Exit“, „Tage des Zorns“, „Coco Chanel & Igor Strawinsky“, „Pusher“ und „Bleeder“.
Nun also „Die Königin und der Leibarzt“. Der Film spielt zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Dänemark, einem zu dieser Zeit in Sachen Aufklärung noch recht rückständigen Land. Caroline Mathilde, englischen Adelsgeschlechts, ist dem jungen dänischen König Christian VII. versprochen, ohne dass sich die beiden je gesehen hätten. Caroline Mathilde reist nach Dänemark zu ihrem zukünftigen Gatten. Sie findet dort einen infantilen und vermeintlich geisteskranken König vor, der nicht viel Interesse an ihr und seinen Staatsgeschäften zu haben scheint und sich lieber Huren und dem Alkohol zuwendet. Caroline Mathilde, eine feinsinnige, belesene und musikalisch begabte Frau wird schnell über ihrer neuen hoffnungslosen Lebenssituation an Christians Seite trübsinnig und widmet sich bald voll und ganz dem Sohn, den sie nach  seltenem und seltsamem Beiwohnen ihres Mannes Christian entbindet. Erst als durch ein politisches Ränkespiel verursacht der neue Leibarzt des Königs, der Deutsche Johann Struensee (Mads Mikkelsen) am Hofe erscheint, um Christian nach schwerer Erkrankung zu heilen und schnell zum engsten Vertrauten des Königs wird, kommt wieder Licht und Hoffnung in Carolines Leben. Getragen von der Faszination der Ideen der Aufklärung und ihr gemeinsames Interesse an den geistigen Köpfen der Aufklärung wie Rousseau und Voltaire kommen sich Struensee und Caroline näher. Struensee und Caroline treffen sich fortan nicht nur hinter Christians Rücken, sondern sie nutzen Johanns Einfluss auf Christian auch dahingehend, ihre politischen Ideen der Aufklärung in konkrete politische Einflussnahme umzusetzen. Es entspannt sich eine explosive Dreiecksgeschichte, in deren Verlauf Christian fröhlich seinem Wahnsinn Ausdruck verleiht, Struensee aber auch Caroline unaufhaltsam auf eine höfische und persönliche Katastrophe zusteuern, die sich jedoch ganz anders entwickelt, als man als Zuschauer vermutet.
Mads Mikkelsen verkörpert einmal mehr eine charismatische, ernsthafte und von ihren Idealen bestimmte Persönlichkeit an der Seite der wunderschönen Alicia Vikandar als Caroline und des herrlich wahnsinnigen Christian VII., dargestellt von Mikkel Bö Folsgaar.
Die Geschichte der Drei ist, so liest man, ist historisch belegt und kann durchaus für einen interessanten Kinoabend empfohlen werden, wenn die Geschichte am Ende auch ohne wirkliche Highlights bleibt.

Die Königin und der Leibarzt

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Rezension: „Tron Legacy“ – Das Sequel 29 Jahre nach dem Start des Klassikers

Nur noch dunkel kann ich mich daran erinnern, wie ich als schon etwas älterer Teenie den Film „Tron“ im Nachmittagsprogramm des öffentlich rechtlichen Fernsehens zum ersten Mal sah. Gebannt saß ich vor dem Fernsehapparat und konnte kaum glauben, was ich da sah. So viele, direkt im Computer erschaffene Szenen, überall die herrlich blau schimmernden Streifen auf den hautengen Anzügen der durch den Cyberspace in Form von menschlichen Figuren wandelnden Programme – das war fremdartig, neu und ungeheuer faszinierend. Unauslöschlich sind mir die Lichtrenner in Erinnerung geblieben, die in atemberaubender Geschwindigkeit und gesteuert von ihren fast liegend platzierten Piloten über das Raster rasten.
Nun also nach fast 30 Jahren eine Fortsetzung – das konnte doch eigentlich gar nicht gut gehen, oder? Jeff Bridges in der Hauptrolle, der zwischenzeitlich mit vielen wunderbaren, überzeugenden Charakterdarstellungen in diversen Filmen geglänzt hat, sollte im Sequel eine Doppelrolle spielen und eine davon noch in einer in digital verjüngten Form – wie sollte das gehen? Hm, da war bei aller Begeisterung über die Tron-Fortsetzung Skepsis angesagt.

Tron Legacy
Tron Legacy

Nur wenige Tage nach dem Kinostart habe ich also den dreidimensionalen Nachfolger von Tron gesehen und ich muss sagen, dass mir der Film sehr gefallen und mich auf der ganzen Linie gut unterhalten und überzeugt hat. Ausstattung und Musik (Daft Punk) sind umwerfend. Die Kostüme wurden behutsam, auf der Basis der ursprünglichen Ausstattung weiterentwickelt. Sie wirken superstylisch und man könnte vermuten, hier hätte Jean Paul Gaultier einen weiteren Ausflug ins Filmgeschäft, wie er das schon beim „Fünften Element“ und „Stadt der verlorenen Kinder“ getan hat, unternommen.
Die 3D-Effekte sind angenehm zurückgenommen, sie sind nicht so aufdringlich wie noch in „Avatar“. Die Story ist zwar noch immer nicht wesentlich tiefgründiger als im ersten Teil, doch wen stört das schon angesichts solch opulenter Optik und grandiosem Sound? Natürlich gibt es auch im zweiten Teil einen spektakulären Lichtrenner- Fight auf dem Grid. Doch für meinen Geschmack wird das noch getoppt von den Sci-Fi-Fliegern, die ähnlich, wie die Lichtrenner, zerstörerische Spuren hinter sich herziehen, allerdings diese gleich im Doppel und dazu noch im Raum. Jeff Bridges wirkt als digital verjüngtes Programm „Clu“ ein wenig artifiziell, dennoch ist schon diese Qualität erstaunlich angesichts dessen, dass dieser „Dorian Gray“-Effekt per CGI erzielt wurde. Der „echte“ Jeff Bridges hingegen, der als Kevin Flynn den Beinahe-Kontrollverlust in der digitalen und realen Welt zu verantworten hat, wirkt bedeutungsschwer, würdevoll und fast ein wenig Guru-haft, nicht nur, weil er über weite Strecken barfüßig zu sehen ist.
Mich hat auch der zweite Teil von „Tron“ voll in seinen Bann gezogen und ich denke, „Tron Legacy“ ist ein uneingeschränkt würdiger Nachfolger des 80iger-Jahre-Klassikers.
Two tumbs up!
Den offiziellen deutschsprachigen Trailer des Films kann man hier ansehen:

Offizieller Trailer Tron-Legacy

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Rezension: Darren Aronofskys “Pi – System im Chaos“

Darren Aronofsky feierte zuletzt einen großen Erfolg mit dem „Wrestler“, in dem Mickey Rourke als Schauspieler wie Phönix aus der Asche aufsteigt. Rourke war als Schauspieler schon fast in Vergessenheit geraten, nachdem er, dem Skript des Films gleichend, ganz unten angekommen war: größenwahnsinnig Rollen ausschlagend, von Alkohol- und Drogensucht schwer gezeichnet und beinahe mittellos, nachdem er sein Vermögen durchgebracht hat. Seit die Oscar-Anwärter des Jahres 2011 vorgestellt wurden, war auch Darren Aronofsky wieder in aller Munde, da er mit „Black Swan“ einen heißen Anwärter auf einen der begehrten Preise im Rennen hat. Grund genug für mich, nach früheren Filmen von Aronofsky Ausschau zu halten. Neben „The Fountain“ von 2006, den ich bereits vor längerer Zeit gesehen und in meine Sammlung aufgenommen habe, und „Requiem for a dream“, der bei Videobuster schon in der Liste meiner Vorbestellungen steht, ist „Pi – System in Chaos“ von 1998 einer der wichtigen, frühen Filme von Darren Aronofsky.

Pi - System im Chaos

Pi - System im Chaos

Wie auch in „Black Swan“ und „The Wrestler“ steht eine gequälte und gehetzte Persönlichkeit im Mittelpunkt des Films. Maximilian Cohen ist ein genialer Mathematiker, getrieben von der Idee, die 216 Zahlen zu finden, die die Welt beschreiben und die man zur Vorausberechnung der Börsenzahlen und die Entschlüsselung des wahren Namens Gottes, dessen Code sich in den hebräischen Zahlen und Zeichen der Thora verstecken soll, nutzen kann. Gepeinigt von der eigenen Paranoia und verfolgt von einer Bande Wall-Street-Börsianer und ihren Spitzeln sowie einer Gruppe jüdischer Glaubensfanatiker, versucht Max die Zahlen zu finden, die die Weltformel bedeuten. Sie alle wollen an Max‘ Zahlen gelangen, um sie für ihre Zwecke zu nutzen. Max kann sich und seine Anfälle von Paranoia nur mit Hilfe einer Unmenge an Medikamenten über Wasser halten. In vielen beklemmenden Szenen, in denen die Bilder von paranoidem Wahn und Realität nahtlos ineinander übergehen, fühlt man sich auch als Zuschauer tief in den Sog der Ereignisse hinein gezogen und spürt Angst, Enge und Gehetztsein fast körperlich. Wenige Momente der Erleichterung bringen anfänglich die Go-Partien und Gespräche mit Max‘ ehemaligem Mathematik-Dozenten und Mentor, der selbst, so wie Max, dem Geheimnis der Weltformel auf die Spur zu kommen suchte. Die verstörende Atmosphäre wird neben wilden, wackligen Kamerafahrten auch getragen durch einen genialen Soundtrack (u.a. Massive Attack), der mit teilweise ultraschnellen Drum‘n‘Bass-Rhythmen Verwirrung, klaustophobische Atmosphäre und Verfolgungswahn noch steigert. Am Ende steht die Selbstverstümmelung: Max vernichtet seine genialen mathematischen Fähigkeiten, als er die Bohrmaschine an seinen Kopf ansetzt…
Einen deutschsprachigen Trailer des Films kann man hier ansehen:

Trailer PI - System im Chaos

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Rezension: Dokumentation über George Michael „A different story“

Vor einigen Tagen sah ich zufällig auf dem Biography-Channel eine Doku über George Michael, dessen Musik ich schon seit vielen Jahren sehr gern höre und an dessen Konzert im Jahr 2006 in München, auf dem ich mit meiner Tochter Annika war, unheimlich gern zurückdenke. Es war eine unbeschreiblich positive und gelöste Stimmung auf diesem Konzert in der Münchner Olympiahalle und alles tanzte und war begeistert, egal ob jung oder alt.
Leider hört man in letzter Zeit nicht viel Gutes von George Michael und meist hat es mit seinem Drogenkonsum zu tun.

A different story

A different story

In der genannten Doku, “George Michael – A different story”, wurde auch immer wieder Bezug auf einen Film über ihn genommen, der wohl 2005 kurz in den Kinos gelaufen sein muss und in dem er sehr persönliche Einsichten in sein Leben gewährt. Das machte mich sehr neugierig. In Deutschland wurde der Film im TV, so fand ich bei Recherchen heraus, zuletzt 2009 auf ARTE (leider ohne Wiederholung) gezeigt. Auf allen einschlägigen Portalen war die DVD dieser Doku nicht zu bekommen. Ich fand nur ein Exemplar auf eBay UK, allerdings zum Preis von 80 £. Ich suchte lange und intensiv im Internet nach dem Film. In deutscher Sprache war er gar nicht zu finden, eine englische Fassung konnte ich jedoch nach langer Suche finden (85 min.). Die Ernsthaftigkeit und die Offenheit, mit der George Michael aus seinem Leben berichtet, hat mich sehr berührt. Außerdem bekam man den Eindruck, dass er sich sehr unprätentiös und natürlich gibt. Besonders beeindruckt hat mich seine Aussage, dass es der größte Traum für ihn wäre, er könnte seine Musik machen, veröffentlichen und dann zu Haus bleiben, anstatt durch die Welt reisen und seine Alben überall promoten zu müssen. Fast wirkte er ein wenig scheu, während er über sich und seine lange Karriere berichtete. Er machte desöfteren längere Denkpausen, suchte sichtbar nach Worten und schluckte an einigen Stellen seinen Kummer und seine Trauer nach Fassung ringend herunter. Die Verluste durch den Tod seiner großen Liebe – eines brasilianischen Freundes – und besonders den seiner Mutter scheinen besondere Tiefpunkte in seinem Leben darzustellen, über die er – so machte es den Eindruck – nicht oder nur sehr schwer hinweg kommt.
“A different story” ist eine beeindruckende, aber leider scheinbar  nur wenig wahrgenommene Doku, die einen sehr verletzlichen, ernsten und zutiefst menschlichen George Michael zeigt und immer wieder durch wunderbare Einspielungen seiner Musik ergänzt wird.
Tipp: Wieder einmal eine George Michael-CD einlegen, eine Kerze anzünden und “My mother had a brother” (Album: Patience) anhören oder hier einen Konzertmitschnitt ansehen:

My mother had a brother

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Rezension: „Die Wanderhure“: Eine Grenzüberschreitung der anderen Art…

Manchmal fragt man sich, wie denn bestimmte Dinge geschehen konnten. Ich frage mich gerade, wie die Blu-ray “Wanderhure” in meinen Player gelangt ist. Das hätte sie besser gelassen.

Die Wanderhure

Die Wanderhure

Ist dieser Film nicht mal wieder ein schlagender Beweis dafür, dass Deutsche das Filmemachen besser sein lassen sollten? Hier scheint einfach alles aus dem Souterrain der Filmkunst zu kommen: Story, Darsteller, Dialoge. Selbst Pinocchio hätte nicht hölzener spielen können und die Geschichte erscheint uns als ein waschechter Rosamunde-Pilcher-Dutzendwerk-Schmonzetten-Abklatsch. Au weia! Wer da noch nach einem wirklichen Mehrwert der Produktion sucht, der sollte den wohl unfreiwillig angebotenen Fernkurs in Sachen Fremdschämen absolvieren: einfach die Interviews in der Extras-Rubrik des Silberlings mit den Hauptdarstellern und den sogenannten “Autoren” der Romanvorlage anschauen (dabei unbedingt die bedruckten T-Shirts des Autorenpaars in Augenschein nehmen – die sind das sprichwörtliche Tüpfelchen auf dem i) und dann kann fremdgeschämt werden bis zum Geht-nicht-mehr. Jedes B-, ach was sag ich, C-Movie aus dem schmuddligsten Hinterhof-Hollywood-Studio hat mehr Glamour als dieses “Machwerk” in SAT1-Manier. Gibt’s eine schlechtere Bewertung als fünf Daumen nach unten? Hat die FSK eigentlich eine Kategorie für Horrorfilme? Des Inhalts wegen, meine ich…

Wie gut, dass es da noch die Andreas Dresens und Fatih Akins dieses Landes gibt. Ansonsten käme man wirklich ins Grübeln und müsste einmal mehr “Armes Deutschland!” rufen – bitte keinen solchen Trash mehr!

Rezension: „Unthinkable“: Ist eine solche Grenzüberschreitung vertretbar?

Wie viele Filme habe ich in meinem Leben gesehen? Vielleicht 3.000? Ich weiß es nicht. Gestern also “Unthinkable”. So ein Film ist mir noch nicht untergekommen. Ich denke so voller Abscheu daran zurück, was da über die Mattscheibe geflimmert ist, dass ich mir fortwährend die Frage stelle, ob so etwas erlaubt sein sollte, erlaubt ist? Haben wir es hier nicht mit einer unfassbaren Grenzüberschreitung zu tun? Ist der Name “Unthinkable” vielleicht Programm und meint am Ende, dass ein solcher Film eigentlich undenkbar ist und die Grenzen von Moral und Anstand außer Kraft setzt und daher besser nie hätte gedreht werden sollen?

UnthinkableDie Frage, wie weit man gehen kann, um andere unschuldige Menschen zu retten, ist sicher schon oft gestellt worden. Ich erinnere mich an den letzten spektakulären Fall im Herbst des Jahres 2002, als der Bankierssohn Jakob Metzler von dem Jurastudenten Magnus Gäfgen auf dem Schulweg entführt wird, um Lösegeld zu erpressen. Nachdem das Lösegeld gezahlt und in den Händen von Gäfgen ist, kann er von der Polizei festgenommen werden. Zu diesem Zeitpunkt glaubt man, dass der elfjährige Jakob Metzler noch am Leben ist und man versucht, von Gäfgen zu erfahren, wo  der Junge versteckt und gefangen gehalten wird. Was die Polizei nicht weiß: zu diesem Zeitpunkt ist der Bankierssohn bereits tot, ermordet von Gäfgen. Gäfgen lockt die Polizei zunächst auf eine falsche Fährte. Daraufhin und um den vermeintlich noch lebenden Jungen zu retten, droht der stellvertretende Polizeipräsident von Frankfurt Gäfgen die Zufügung von Schmerzen an. Gäfgen verrät das wahre Versteck des Jungen, woraufhin dieser tot dort aufgefunden wird. Nach den Ereignissen um Jakob Metzler flammte die Diskussion auf, ob es statthaft ist, Menschen physische Gewalt – oder sagen wir, wie es ist: Folter – anzudrohen, um andere Menschen zu schützen oder zu retten.

“Unthinkable” greift genau dieses Thema auf, stellt es – wohl auch angesichts der Ereignisse vom 11. September – in einen überdimensionalen Kontext (ein islamistischer Terrorist hat drei Atombomben in drei amerikanischen Großstädten versteckt und droht diese zu zünden, wenn seine Forderungen nicht erfüllt werden). Nachdem das FBI Kenntnis von der Bedrohung von zehn Millionen Amerikanern erhält, wird der Terrorist festgenommen und befragt. Die Befragung nach dem Versteck der Bomben erbringt kein Ergebnis. Was nun folgt, ist die Androhung und Anwendung schlimmster Gewalt und was man als Zuschauer mitansehen muss, erinnert an die dunkelsten Kapitel menschlicher Verirrungen: Guantánamo, Konzentrationslager, Waterboarding, Abu Graib, die ethnischen Säuberungen im Balkankrieg – das sind nur einige der Dinge, die mir durch den Kopf gingen. Die dargestellte physische und psychische Gewalt sprengt dabei für meinen Geschmack die Grenzen dessen, was verantwortbar ist und ich halte diesen Film für eine unglaubliche Grenzüberschreitung. Ich frage mich, ob so etwas moralisch überhaupt verantwortbar ist. Dieser Film führt zwangsläufig zur vieldiskutierten Frage, wie viel Gewalt in den Medien statthaft ist und ob sie nicht Wurzel von Gewalt in der realen Welt ist.

Am Ende dient der Film nicht einmal dem Zweck, eine durchaus diskutierenswerte, kontroverse Frage aus einem vielleicht individuellen Blickwinkel zu betrachten. Für meinen Geschmack ist er vor allem eines: anti-islamistische Propaganda.